05.05.2007

Gesche Helene Höhnk

Die Heimatpflegerin Gesche Helene Höhnk ( 3.2.1859-27.3.1944 )
An dieser Stelle möchte ich mit Beiträgen zu Helene Höhnk beginnen, die ich an zahlreichen Stellen hier erwähnt habe. Dieser einzigartigen Frau haben wir so unendlich viel für die Familienforschung in unserer Region zu verdanken. Wie des öfteren erwähnt, ist ihr Nachlass auf verschiedene Orte zerstreut, aber nirgendwo in seiner gesamten Breite erfasst. Auch im Internet finden wir kaum Eintragungen. Ich hoffe, wir können mit Hilfe der LYRA mehr Licht in das Lebenswerk von Helene Höhnk bringen. Vorab eine Darstellung von Frank Trende der heute sicher einer der profundesten Kenner dieser beachtlichen Frauenpersönlichkeit unser Heimat ist Beitrag von Frank Trende:
„Wo meine Wiege stand, war noch vor hundert Jahren Meeresboden! Eine Dithmarscherin mit einem ungewöhnlichen Lebensweg: Helene Höhnk, Sie erinnert sich:“ Das jetzige Wohnhaus des nunmehr Jessen’schen Hofes ist nicht mein Geburtshaus, sondern ein älteres Wohngebäude, das mit der Vorderfront zum Feld gebaut war und am 22. Oktober 1862 von einem Herbstgewitter durch Blitzschlag eingeäschert wurde.
Ich entsinne mich dieses Ereignisses noch genau, denn ich habe davon eine furchtbare Gewitterangst d urch die Jahre meiner Kindheit getragen. Sie ist erst von mir bezwungen worden, als ich in Dresden ein denkender und mir selbst verantwortlicher Mensch wurde“ So wie sich Helene Höhnk an die Ereignisse in der frühesten Kindheit erinnerte, so zeigt sie doch als Kind besondere Begabungen. „Gedichtet hatte ich von Kindheit auf“ schrieb sie einmal. Diese poetische Begabung führte sie auf ihre Mutter zurück, die sie mit selbstgemachten Versen vom Unfug ablenkte, wenn Ermahnungen nicht fruchteten.
1865 wurde Helene Höhnk in Helserdeich eingeschult, von 1870 bis 1874 besuchte sie die „Privatschule“ von Dr. Hartmann in Marne. Nach einer Ausbildung in ländlicher und städtischer Haushaltsführung zog sie 1881 nach Dresden, besuchte Museen, Theater und Vorträge. Dort hat sie sich wohl selbst das Fundament ihrer historischen, künstlerischen und literarischen Bildung gelegt. Helene Höhnk ging 18883 nach London um Englisch zu lernen, ein Jahr später besuchte sie ein katholisches Klosterinstitut in Paris. Noch 1884 begann sie in Genf zu studieren: das wäre damals an keiner Hochschule in Deutschland möglich gewesen.
1885 kehrte Helene Höhnk nach Marne zurück, reiste dann zwei Jahre später nach Kopenhagen, Hans Staack schrieb 1964 über ihren weiteren Lebensweg : “Außerdem war es von 1889 bis 1894 ihr Obliegen, Mutterstelle an ihrem jüngeren Bruder zu vertreten, der vom Gymnasium in Glückstadt beinahe relegiert wurde, weil er Marx und Lassalle gelesen und anderen Mitschülern zu dieser vergifteten Lektüre verholfen hatte.“
1894 lernte Helene Höhnk in Berlin die Ziele der Frauenbewegung kennen. Sie reiste nach Stockholm, Lund und Upsala, besuchte 1899 in Jena einen Kursus für Bibliothekswissenschaft und galt „als erste wissenschaftliche Bibliothekarin in Deutschland“. Zurückgekehrt nach Schleswig-Holstein schrieb sie eine Reihe von Familiengeschichten und Stammbäume.
Sie ordnete auf vielen adligen Gütern die Archie, arbeitete etwa in Itzehoe und Heide, sortierte die Archive vieler Kirchspiele und des Dithmarscher Landesmuseums. In der Lokalpresse veröffentlichte sie landeskundliche Beiträge ebenso wie in der Zeitschrift„Dithmarschen“ des von ihr mitbegründeten Vereines für Dithmarscher Landeskunde. Schriftleiterin der Zeitschrift war sie bis zur Gleichschaltung durch den Nationalsozialisten im Jahre 1933.
Trotz ihrer weltläufigen Ausbildung und ihrer Berührung mit den Ideen des Sozialismus und der Frauenbewegung waren ihre Motive für ihre heimatkundliche Arbeit der völkisch-nationalen Richtung zuzuordnen, wenn sie sich auch nicht kritiklos für Hitler und die Nationalsozialisten begeisterte. Nachdem sie seit 1926 wieder in Marne lebte, musste sie Anfang 1944 in ein Altersheim nach Büsum umziehen, wo sie noch im März des gleichen Jahres starb.
Beerdigt wurde Helene Höhnk auf dem Friedhof in Kronprinzenkoog.
Quelle:
Chronik des Amtes Kirchspielslandgemeinde Marne-Land mit seinen elf Gemeinden 1995 Marne Husum Druck ISBN 3 -88042-713-5 Seite 293/294
Sehr geehrter Herr Zornig, Meinen Text dürfen Sie so wie geplant gerne veröffentlichen. Helene Höhnk ist, finde ich, eine sehr interessante Figur. Sie hat es wirklich verdient, dass man sich intensiver mit Leben, Werk und Wirkung beschäftigt. Frank Trende 20.04.07-Kiel